Effektiv-Interview mit Andrea Cunningham auf dem Bits & Pretzels

Andrea Cunningham arbeitete als PR-Beraterin für keinen Geringeren als den verstorbenen Apple-CEO Steve Jobs. Heute leitet sie mit Cunningham Communications eine der größten PR-Agenturen in den Vereinigten Staaten. Unser Social Media Ninja Philipp hat sie auf dem Bits & Pretzels 2017 in München getroffen und mit ihr über die Zusammenarbeit mit Steve Jobs und wie man heutzutage gute PR-Arbeit macht geredet.

Ich habe ein paar Fragen an dich und hoffe, du hast ein paar Antworten für mich. Ich habe gelesen, dass du hier zum ersten Mal in Deutschland öffentlich sprichst. Bist du auch zum ersten Mal überhaupt in Deutschland?

Nein. Ich war schon oft in Deutschland, vor allem hier in München, aber noch nie wegen einer Konferenz.

Wie ist dein Eindruck vom Bits & Pretzels?

Ich fühle mich auf diesem Event eigentlich wie zuhause. Hier sind so viele junge, dynamische Gründer mit Visionen unterwegs. Es ist einfach toll.

Und was denkst du über die deutsche Startup-Szene im Vergleich zur amerikanischen?

Wenn das hier exemplarisch für die Startup-Szene in Deutschland ist, dann ist es eigentlich fast genauso, wie in den Staaten. Das ist wirklich großartig. Ich weiß natürlich nicht, ob das in Deutschland überall so ist oder nur hier in München.

Ich würde sagen, nicht überall, aber München ist auf einem guten Weg. Das Thema deiner Session war: “Wie macht man PR?” Genau das ist auch meine nächste Frage. Hast du vielleicht 2 oder 3 Tipps für uns, wie Public Relations heute funktioniert?

In meiner Session hatte ich sogar 10 Punkte, aber 3 davon sollte man beachten, bevor man irgendetwas anderes macht. Der erste Tipp lautet: Du musst ganz genau wissen, wo du mit deinem Unternehmen stehst, das heißt, du musst diese zwei Fragen beantworten können: Wer bist du und warum bist du von Belang?
Mein zweiter Tipp: Wenn du diese zwei Fragen beantworten kannst, solltest du ein paar Key-Messages festlegen, die dich beschreiben und dein Unternehmen ausmachen.

Im dritten Schritt nimmst du diese Messages und kombinierst sie zu einer Story.

Wenn du diese drei Schritte befolgt hast, dann hast du alle Werkzeuge, um einen großen digitalen Fußabdruck zu erschaffen, und das ist das Ziel.

Storytelling ist ja mittlerweile zu einer Art Buzzword geworden. Storytelling ist ja nicht neu. Heute haben wir soziale Netzwerke und andere Plattformen. Was hat sich also im Storytelling geändert?

Das stimmt. Storytelling gibt es quasi schon seit es Menschen gibt, die ihre Geschichten an Höhlenwände gemalt haben. Storytelling war also schon immer ein Teil von uns Menschen. Heute ist es so, dass dieselbe Geschichte immer und immer wieder wiederholt werden muss.

Wenn du ein Unternehmen hast, ist es heutzutage nicht gut genug, an einem Tag eine Geschichte zu kreieren und ein paar Wochen später eine völlig neue Story zu schaffen nur, weil dein Name darin auftaucht. Du musst immer wieder die gleichen Inhalte neu verpacken und deine Geschichte weiter erzählen.

In meiner Session habe ich das als Virus bezeichnet. Du veränderst nur kleine Dinge in der Genetik des Virus’. aber trotzdem bleibt es ein Virus, der sich immer weiter verbreitet. Ein Virus funktioniert einfach, weil er immer weiter getragen wird und jeden infiziert. Das sollte so auch mit deinen Messages funktionieren.

Auf dem Bits & Pretzels reden sehr viele Menschen über die Zukunft. Also lass uns doch zur Abwechslung mal über die Vergangenheit reden. Welche Oldschool-Methoden haben sich in der PR-Arbeit nie verändert und sind heute noch gültig?

Das wichtigste Hilfsmittel in der PR ist immer noch die Mund-zu-Mund-Propaganda. Das war immer so und wird auch immer so sein. Verändert hat sich nur die Art, wie Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert. Es ist jedoch dasselbe Prinzip und immer noch ein wichtiger Punkt. Ich rede natürlich von positiver Mund-zu-Mund-Propaganda. Sie sollte nicht negativ sein.

Ich komme schon zu meiner letzten Frage. Diese Frage hast du wahrscheinlich schon recht oft beantwortet, aber: Wie kompliziert war die Zusammenarbeit mit Steve Jobs?

Er war wirklich sehr fordernd. Mit ihm zu arbeiten bedeutete, dass man jeden Tag etwas dazu lernt. Ich habe über mich selbst gelernt, dass ich mehr leisten kann, als ich es von mir dachte. Er pushte seine Mitarbeiter über das Limit ihrer Fähigkeiten und machte sie dadurch besser. Wir wurden alle besser, nur wegen ihm. Das ist wirklich ein Geschenk, das er jedem gemacht hat und von dem jeder, der mit ihm gearbeitet hat sein Leben lang profitiert.

Das klingt wirklich cool. Es klingt aber auch schwierig. Ich schätze, Steve Jobs hatte seine ganz eigenen Regeln, oder?

Die hatte er. Er wusste genau, was er erreichen wollte und was er dafür benötigt. Er wusste auch, was er nicht selber leisten konnte und holte sich dafür die richtigen Menschen in sein Team. Dann hat er dich bis zur Perfektion gepusht. Wir waren damals alle in unseren Zwanzigern und vieles war einfach neu für uns. Wir dachten, dass wir bereits unser Bestes geben, aber Steve Jobs schaffte es, dass jeder einzelne noch eine Schippe drauf legen konnte. Jeder, der mit ihm zusammen gearbeitet hat, ist heute viel besser in seinem Job, als vorher. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Software-Entwickler, einen PR-Berater oder Advertiser handelt.

Er wirkt wie ein Football-Coach, der das Team motiviert und das Beste aus jedem herausholt.

Das stimmt. Er tat das nicht mit dieser Motivation eines Trainers – eher so nach dem Motto: “Das ist schlecht und das und das auch…”

Aber er hat sein Team dadurch trotzdem motiviert.

Absolut. Er hat uns wirklich motiviert und am Ende auf eine wirklich positive Art.

Okay, darauf gibt es nichts mehr zu sagen. Das ist doch ein schönes Ende. Danke dir für deine Zeit.

Ich danke dir für das Gespräch.

Ich wünsche dir noch viel Spaß auf dem Bits & Pretzels.

Dankeschön.

 

Wie ist deine Meinung?

vier × 5 =

Bekannt aus: