Felix Beilharz im Interview zum Thema organische Reichweite auf Facebook auf der OMKB 2018

Felix Beilharz ist ein bekanntes Gesicht in der deutschen Online-Marketing-Branche. Als Speaker und Online-Marketing Trainer ist er viel unterwegs und immer up-to-date. Mit ihm haben wir auf der OMKB 2018 vor der Kamera über Facebooks Entwicklung, Neuigkeiten in Social Media und B2B gesprochen. Viel Spaß!

Hi Felix, schön, dass du Zeit gefunden hast. Facebook – großes Thema in diesem Jahr. Bekommt man als Unternehmen überhaupt noch Reichweite ohne, dass man dafür zahlen muss?

Ja. Der “Trick” ist eben der, dass du Interaktionen bekommst. Wenn du Shares generierst, dann bekommst du auch Reichweite. Die Idee dahinter ist: “Krieg es hin, dass deine Kunden über dich schreiben, deine Beiträge posten und deine Ideen und Hashtags weiter tragen.” Gar nicht mehr so sehr, dass du selbst Reichweite produzierst.

Ansonsten kannst du die fehlende Reichweite mit Messenger- oder Gruppen Marketing auffangen. Manche Seiten bekommen auch heute noch gute Reichweite, aber wenn, dann meist über Interaktionen.

Und wie komme ich zu Interaktionen?

Mach geiles Zeug! Überleg dir, was deine Zielgruppen anregen würde, selber darüber zu sprechen. Ein gutes Beispiel ist Urban Outfitters. Die kleben an die Spiegel in den Umkleideräumen Sticker mit der Aufschrift: “Poste deinen Style mit den Hashtag #yourownstyle”. Sie rufen also dazu auf, dass die Kunden selber Content posten. Bei Burgerista, einer Burgerkette, landen alle Instagram- oder Facebookposts mit dem entsprechenden Hashtag auf den Bildschirmen in den Filialen. Da ist der Anreiz, dass der eigene Post öffentlich dargestellt wird. Du musst also Anreize schaffen, durch die deine Fans mehr über dich posten. Das ist eine große Herausforderung.

Das funktioniert auch mit Inhalten, die polarisierend, interaktiv oder viral sind. Das wird dann auch geteilt.

Was meinst du, wie lange wird Facebook noch so wichtig sein, wie im Moment?

Ja gut, Facebook hat gerade erst wieder seinen Quartalsgewinn veröffentlicht und die Einnahmen und auch die Userzahlen sind höher als je zuvor. Aus diesem Grund glaube ich, dass sich der große Datenskandal jetzt nicht so stark auswirken wird. Es ist natürlich immer schwer vorauszusagen, was die Glaskugel so hergibt, aber momentan sieht es nicht nach einem baldigen Untergang von Facebook aus – eher nach weiterem Wachstum.

Die Zahlen zeigen es uns, aber gleichzeitig laufen Facebook ja angeblich die jungen Nutzer weg. Wie siehst du das? Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Erstens: who cares? Du kannst auch ein Social Network ohne junge Nutzer betreiben. Es gibt ja nun auch viele ältere Nutzer. LinkedIn ist auch nichts für junge Nutzer, aber trotzdem ist es riesengroß und wächst weiter. Es muss sich ja nicht jeder auf Teenies fokussieren.

Selbst wenn genau das deine Zielgruppe ist, kauft Facebook ja auch fleißig andere auf, wie Instagram oder WhatsApp. Der Facebook-Konzern als solcher wird schon weiterhin existieren, selbst wenn Facebook irgendwann nur noch für die älteren Damen und Herren attraktiv ist, egal, denn sie haben noch andere Plattformen im Portfolio, die für Jüngere spannend sind. Dann passt das doch für Facebook.

Social Media und B2B – wie passt das zusammen? Wie kann das funktionieren?

Extrem gut. Auch da muss ich mir die Frage stellen, wie ich es anpacke. Es muss ja nicht immer Facebook sein. Das kann auch sehr gut funktionieren, da gibt es zig Beispiele von großen Unternehmen, die auf Facebook sehr stark sind. Es gibt aber auch sowas wie Blogs, wie Xing oder LinkedIn oder auch YouTube. Die können alle auch in B2B funktionieren. Selbst, wenn die Zielgruppe dort gar nicht aktiv ist, alle googeln und stoßen darauf auch auf Videos oder Blogbeiträge. Auch darüber kann man also Reichweite erzeugen.

Gibt es da bei der Ansprache der Zielgruppen irgendwelche Unterschiede zu B2C? Worauf muss ich bei B2B achten?

B2B bedeutet oft eher fachliche Inhalte, also in Blogbeiträgen weniger witzige Stories und mehr Fachbeiträge, zum Beispiel Ratgeber-Content für Leute, die in einem Unternehmen arbeiten, also Tipps und Tricks für den Arbeitsalltag. Ich würde auch eher das Sie, als das Du wählen. Auch die Aufbereitung sollte vielleicht nicht ganz so bunt und abgefahren sein, das gibt es teilweise auch, aber meistens sieht in B2B alles ein bisschen seriöser aus. Fakt ist: dieselben Ideen können auf beiden Kanälen funktionieren, wenn man den Content nur entsprechend anpasst.

Siehst du schon irgendeine neue Plattform und eine neue Sache, die das nächste Big Thing in Social Media werden könnte?

Also, was sein kann ist, dass WeChat mal irgendwann auch in den weltweiten Markt eintritt. Da könnte tatsächlich etwas passieren. WeChat hat ja aktuell schon über 1 Milliarde Nutzer, die meisten davon in China. Auf diese Plattform hat jedoch auch die chinesische Regierung mit Einfluss, dort ist alles nicht ganz so nett. Trotzdem könnte diese Plattform noch sehr groß werden.

Ob es eine kleine Plattform schafft, richtig groß zu werden, werden wir sehen. Wenn so etwas passiert, dann steht meiner Meinung nach einer der großen Player, wie zum Beispiel Amazon, dahinter. Die haben bislang noch gar nichts im Social Bereich. Die könnten vielleicht etwas auf die Beine stellen. Auch das kann floppen, wie wir bei Google schon mehrmals gesehen haben. Trotzdem: so etwas könnte durchaus passieren.

Aktuell sehe ich aber nichts, was noch klein ist und das Potenzial hat, groß zu werden. Das glaube ich einfach nicht. Vero vielleicht… (lacht)

In China wird mittlerweile so ziemlich alles mit WeChat gemacht. Es wird bezahlt, das wird Content verbreitet und und und. Sind wir in Europa mit der Entwicklung vielleicht noch nicht so weit und kommt das auch auf uns zu?

Ja, auf jeden Fall. Ich hatte letztes Jahr testweise mal die Bezahl-Funktion über den Facebook Messenger freigeschalten, mit der man Geld verschicken kan. Leider konnte ich niemandem etwas schicken, weil niemand, den ich kannte, diese Einstellung ebenfalls hatte. Das war offenbar nur ein Test von Facebook, denn nach einer Woche war das Feature wieder weg. Aber es gibt es halt schon. Ich kann über Messenger bezahlen oder auch Tickets buchen. Facebook muss das zweifelsohne irgendwann für alle zugänglich machen, denn WeChat macht das wie gesagt alles schon. Bei uns geht es momentan im Messenger noch immer nur darum, Textnachrichten und Bilder zu verschicken. Das wird sich also auf jeden fall noch weiterentwickeln.

 

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  • Mehr zu Felix Beilharz gibt es übrigens hier.

Philipp ist Social Media Ninja im E-Team und kümmert sich (fürsorglich) um den Content auf unserem Blog und unsere anderen sozialen Kanälen. Zudem bringt er als passionierter Schlagzeuger einer Countryband nebenbei ein wenig Redneck-Vibes ins Büro – yeeeehaaaaww!

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