Google Analytics Intelligence: sprechende Daten

Google Analytics ist ein Tool, dass aus der Online-Markleting-Welt nicht wegzudenken ist. Wer wissen will, ob seine Maßnahmen und Kampagnen Erfolg haben, schaut sich die zahlreichen Messwerte bei Analytics an. Die sind mittlerweile so detailliert und umfangreich, dass ihr schon ein Web-Analyst sein müsst, um Zusammenhänge zu verstehen und verwertbare Aussagen treffen zu können. Was wäre, wenn ihr mit den Daten reden könntet und Analytics einfach nach den Werten fragt, die ihr haben wollt? Google macht mit Analytics Intelligence genau das jetzt möglich.

„Wie viele User waren gestern auf meiner Website?“ „Wie viele von ihnen haben konvertiert?“ Fragen, die uns Google Analytics locker aus dem Ärmel schütteln kann. Ihr müsst nur wissen, wie man diese Werte findet. Das mag bei diesen beiden Fragen noch denkbar einfach sein. Wird es jedoch komplexer und ihr wollt wissen, wie viele weibliche Nutzer zu einer bestimmtes Zeit Produkt xy über euren Online-Shop gekauft hat und wie sich dieser Wert im Vergleich zum vergangenen Jahr entwickelt hat, müsst ihr schon ein wenig Erfahrung mit dem Tool mitbringen.

Wer nicht gleich fündig wird, der fragt den – falls vorhanden – hauseigenen Web-Analysten. 50% seiner Arbeitszeit gehen für die Beantwortung grundlegender Fragen anderer Kollegen drauf. Das will Google nun ändern. Mit Analytics Intelligence stellen sie dem Analytics-Nutzer einen intelligenten Sprach Assistenten zur Seite, der die Suche vereinfachen soll.

Was der Sprach Assistent kann

Wer unterwegs die neuesten Entwicklungen checken will, kann den Sprach Assistenten auch in der mobilen App nutzen. Dabei könnt ihr ihn mit gesprochenen Sätzen und Texten beauftragen.

In wenigen Sekunden findet er für euch alles von Besucherzahlen über das Herausfiltern von Ländern und Zeiträumen bis hin zu den Einnahmen. Inhouse-Web-Analysten dürften nun aufatmen, denn Analytics Intelligence verspricht weniger Kollegen mit Basic-Fragen und dadurch mehr Zeit für wirklich tiefe Analysen.

Google Analytics

Auch auf der mobilen App ist der neue Sprach Assistent ständiger Begleiter. / Foto: Google

Zugegeben, man muss dem Assistenten anfangs Zeit geben, denn er ist lernfähig und wird von mal zu mal besser. Ob man eine brauchbare Antwort bekommt, hängt jedoch auch von der Konfiguration des Kontos und den verfügbaren Daten ab. Wie so oft gilt: Mit umso mehr Daten ihr Google füttert, desto bessere Ergebnisse könnt ihr erwarten.

Welche Fragen kann ich Analytics stellen?

Hier wird es interessant, denn natürlich erhaltet ihr Antworten auf grundlegende Fragen, wie:

„Woher stammen die Zugriffe auf meine Website?“

Ihr könnt aber auch die Leistung eurer Website bzw. eures Shops überprüfen:

„Bei welchen Zielseiten mit mehr als 500 Sitzungen ist die Absprungrate am höchsten?“

Auch Trend-Abfragen sind möglich:

„Wie hoch ist der prozentuale Anteil an direkten Zugriffen im Zeitverlauf xy?“

Daten für verschiedene Werte und Zeitspannen im Vergleich? Auch kein Problem:

„Wie lange bleiben Nutzer im Vergleich auf Mobil- und Desktop-Geräten auf der Website?“

Oft geht es bei der Analyse darum, die Relevanz bestimmter Werte einzuschätzen, um zu prüfen, welche Kanäle wirklich einen Nutzen für das Unternehmen haben und welche nicht. Auch solche Anfragen soll Analytics Intelligence bewältigen können:

„Wie viel Prozent der Sitzungen in Deutschland stammen aus sozialen Netzwerken?“

Immer noch zu einfach? Dann stellt dem Sprach Assistenten doch einfach mal eine komplexere Frage à la:

„Wie haben sich die Nutzertrends bei neuen Nutzern dieses Jahr im Vergleich zum letztem Jahr entwickelt?“

Spätestens hier sollte deutlich werden, dass ihr viel Zeit sparen könnt, wenn der Sprach Assistent selbst solche Zusammenhänge innerhalb von Sekunden ziehen kann. Das Ziel von Google ist es, dass sich der lernende Assistent auf seinen jeweiligen Nutzer spezialisiert und seine individuellen Fragen so gut wie möglich beantwortet. So interessieren einen Vertriebler mit einem E-Commerce-Shop eher Verkaufszahlen, während ein Werbetreibender über den Verlauf seiner Kampagnen bescheid wissen will.

Jeden kann Analytics Intelligence jedoch nicht glücklich machen, geschweige denn, einen echten Analysten ersetzen.

Was Google Intelligence (noch) nicht kann

Wie man Analytics mit Daten füttert oder sein Konto konfiguriert kann euch der Sprach Assistent nicht sagen. Ihr solltet also trotzdem zumindest grundlegende Kenntnisse zum Tool mitbringen, bevor ihr mit ihm redet. „Wie erstelle ich ein Segment?“ Dazu hat der Sprach Assistent nichts zu sagen.

Das Tool sagt euch auch nur, dass eure Absprungrate gestiegen ist. Warum das so ist, geht bislang noch über die Möglichkeiten hinaus. Jedoch stehen solche Erklärungen ganz oben auf der Agenda der Google-Entwickler. Künftig sollen hier Zusammenhänge gezogen werden, die solche Aussagen möglich machen oder zumindest einen Hinweis liefern, woran es liegen könnte.

Womit sich euer neuer digitaler Kollege noch schwer tut, sind strategische Ratschläge, wie: „In welche Kampagne soll ich mehr Budget investieren?“ Da diese Entscheidungen nicht nur auf nackten Zahlen beruhen, sondern auch andere Faktoren mit reinspielen, übersteigt das die Kompetenz von Analytics Intelligence.

Letztlich ist der Sprach Assistent auf Datenabfragen zu Analytics konzipiert und wird euch demnach auch nicht sagen können, wie das Wetter am Wochenende wird. Dafür braucht ihr allerdings auch kein Analytics Konto.

Unser Tipp für zufriedenstellende Antworten: präzise formulierte Fragestellungen. Gebt beispielsweise immer einen Zeitraum an, denn sonst spielt Analytics immer die Daten der vergangenen 30 Tage aus. Nur wer richtig fragt, bekommt Antworten, mit denen er arbeiten kann. Gar nicht so unmenschlich, dieser digitale Assistent…

Fazit

Dieses Feature kann euren Workflow verbessern und ordentlich Zeit sparen. Leider kann Analytics Intelligence momentan nur Englisch und ist auch nur in der englischen Oberfläche anwendbar. Hierzulande müsst ihr euch also noch etwas gedulden bis der entsprechende Assistent gelauncht wird. Wenn es soweit ist, ersetzt er keinen Web-Analysten oder Agentur. Ihr müsst einzig und allein nicht mehr ewig nach Messwerten suchen oder den Kollegen nerven.

 

 

 

Foto: iStock/kasinv

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