fbpx

Instagram versteckt Likes: Folgen für Influencer? (UPDATE: Juli 2019)

Wenn man auf YouTube nach “Instagram ohne Likes” sucht, erscheinen Videos, in denen es darum geht, wie man mit gewissen Tipps und Tricks schnell viele Likes generieren kann. Denn genau darum geht es auf Instagram; um erfolgreichen Content, bestätigt durch viele Likes und Kommentare. Doch wie würde die Instagram-Welt ohne sichtbare Likes aussehen? Ein Thema, womit sich die Facebook-Tochter seit einiger Zeit beschäftigt. In diesem Blogbeitrag verraten wir euch, wieso Likes für Instagrammer aktuell noch so wichtig sind und welche Chancen und Risiken ein Instagram ohne sichtbare Likes zukünftig mit sich bringen könnte.

Kanadische Influencer (und natürlich auch User mit weniger Reichweite) mussten die vergangenen Wochen sehr tapfer sein. Nun folgen sechs weitere Länder (Update: Juli 2019) – Italien, Brasilien, Australien, Irland, Japan und Neuseeland. Instagram Nutzer aus diesen Regionen fungieren zurzeit als Testpersonen für den allerneuesten Social Media Trend:

Ein Instagram ohne sichtbare Likes.

Instagram hatte sich dafür entschieden, das Feature zunächst in Kanada zu testen – nun folgten sechs weitere Länder. Man stelle sich einmal vor, man wacht an einem Tag als Influencer auf und checkt, wie sonst auch, zunächst einmal sein Instagram und den Erfolg (oder Nichterfolg) des vergangenen Posts. Und was findet man vor? Nichts. Insbesondere Instagrammer mit einer großen Reichweite messen sich an Vanity Metrics (Likes, Kommentare). So war es bisher. Doch nun soll alles anders werden – vielleicht.

Die Wichtigkeit der Herzen und Daumen

“We want your followers to focus on what you share, not how many likes your posts get.”

Das bekamen User in den besagten Ländern über ihrem Instagram News-Feed zu lesen, als sie die App nach Launch des Test-Features zum ersten Mal öffneten. Ein aussagekräftiges Statement, denn Instagram will den Fokus der Nutzer weg von Likes, hin zu qualitativ hochwertigem Content lenken und diesem wieder mehr Wertschätzung verleihen. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt klar, wie wichtig Vanity Metrics insbesondere für Influencer geworden sind.

Die Anzahl der Likes und Kommentare gibt einem zunächst einmal Aufschluss darüber, wie interessant ein Influencer (oder ein Post) bei seiner Community ist. Reagieren viele User in Form von Kommentaren und Likes auf Beiträge, wird dies als erfolgreicher Beitrag des Influencers gewertet. Für Unternehmen nur eine von vielen Kennzahlen in der Auswahl geeigneter Werbepartner. Das Engagement der Community und die Reichweite des Influencers sind notwendige Größen, um in diesem Pool an Meinungsmachern die richtigen für die eigene Kampagne auszuwählen.

Wir kennen sie, die 100.000-Follower-aber-nur-100-Likes-auf-Posts-Influencer, bei welchen die Communities aus zusammengekauften Bots bestehen. Ja, Menschen geben Geld für Follower und Likes aus. Ist kein Geheimnis mehr. Und Anbieter von Bots lachen sich dabei ins Fäustchen. Und wieso? Weil wir Likes lieben. Wir sind süchtig nach ihnen. Sie tun uns gut, sagen Psychologen und Forscher wie Dar Meshi, Neurowissenschaftler an der Michigan State University (Quelle: SZ). Recht haben sie. Das Belohnungszentrum im Gehirn wird aktiv und stößt Dopamin aus. Daraufhin fühlen wir uns gut. Denn jeder freut sich über Lob und Komplimente, auch wenn es nur ein virtuelles Herz unter einem Bild ist. Und plötzlich soll das alles vorbei sein?

via GIPHY

Nicht ganz. Denn die Testversion offenbart, dass man die Likes unter den eigenen Beiträgen immer noch einsehen kann, allerdings wird sie nicht mehr so prominent angezeigt, wie es bisher der Fall ist. Der User weiß nach wie vor, wer liked und wie viele User geliked haben. Nur weiß es jeder nur noch für seinen eigenen Content. Während wir uns außerhalb der Testgebiete noch über den neuesten, erfolgreichen Post von Kyle Jenner unterhalten können und wie viele Likes dieser generiert hat, können Instagram-User aus den Testländern das nicht mehr. So ungerecht es klingt, so vorteilhaft könnte das neue Feature werden.

Die Vorteile

  1. Fokus auf Content

Der wichtigste Grund für das Test-Feature von Instagram ist, dass der Fokus wieder auf dem Content liegen soll, also auf die Bilder und Videos. Back to the roots könnte man meinen, denn ursprünglich war Instagram eine App, auf der ihr schöne Bilder veröffentlichen konntet. Gut, das könnt ihr nach wie vor. Alleine um die Bilder geht es jedoch schon lange nicht mehr. Es geht um Reichweite, um Strategien Kunden langfristig zu binden, Community-Aufbau, um Werbung, Selbstdarstellung und Unterhaltung. Womit die Bilder geschossen wurden und wie viel Zeit in die Bearbeitung gesteckt wurde, ist nur noch bedingt interessant. Und genau das soll sich nun ändern. Das Bild soll wieder im Vordergrund stehen. Für Fotografen, Künstler und User, die sich gerne Bilder im Internet anschauen und inspiriert werden wollen, ein wirklicher Vorteil.

  1. Die Psychologie

Unzählige Psychologen und Wissenschaftler, wie Dar Meshi, äußern sich regelmäßig über den Einfluss von sozialen Medien auf die Psyche des Menschen. Was entfacht ein Like im tiefsten Inneren eines Menschen? Was bewirken wenige Likes und Follower? Wo genau liegt der Grund dafür, dass viele gar dazu bereit sind, Unmengen an Geld für Likes auszugeben? Einige Nutzer fühlen sich unter Druck gesetzt, Likes zu sammeln – wenn sie nicht genug davon erhalten, kann sogar das Selbstwertgefühl darunter leiden. Laut Dar Meshi ist es der Drang nach Anerkennung des Menschen, wie er es der SZ im Artikel “Wie die Gier nach Likes das Gehirn antreibt” verriet. Dass das Verbergen von Likes – mit der Zeit – ein Umdenken des Nutzers entfachen soll, kann definitiv ein Vorteil sein und den Wettbewerbsdruck regulieren.

via GIPHY

  1. Die wahren Ziele

Likes sind keine Marketingziele. Und für viele Unternehmen geriet das in Vergessenheit. Die Sucht nach Likes hat sich verbreitet wie eine Epidemie. Und das weiß natürlich auch Facebook und möchte, dass sich Unternehmen wieder auf die wahren Ziele, in Bezug auf ihre Kampagnen, fokussieren sollen. App-Installs, Leads, Conversions – also messbare, auf Unternehmen ausgerichtete Ziele. Von Likes kann man sich nichts kaufen, von gewonnenen Leads hingehen schon eher.

Die Nachteile

  1. Influencer Marketing wird komplizierter

Wozu brauchen wir noch die Meinungsmacher, wenn ihr Erfolg nicht sichtbar ist? Das fragen sie sich wahrscheinlich selbst. Likes sind für Influencer eine Art Währung. Doch wie soll es Marketern in Zukunft möglich sein, zu beurteilen, ob ein Influencer erfolgreichen und reichweitenstarken Content veröffentlicht? Die Recherche nach dem geeigneten Werbepartner wird durch das Verbergen der Likes zusätzlich erschwert. Das Influencer Marketing, so erfolgreich es auch war die vergangenen Jahre, könnte stark ins Wanken geraten.

  1. Desinteresse

Erste Reaktionen unter dem Video von Shawn Fournier (YouTuber aus Kanada) zeigen, wie kritisch kanadische Nutzer der Neuerung gegenüberstehen. “I hate this update but my mental health will love it [sad emoji]”. Ein weiterer Nutzer ärgert sich sehr über das Update und erklärt, was ihn wirklich stört: “Tell me one thing how can people see the best photo according to people’s choice I mean you can’t see which photo is more popular [angry emoji]”. Schießt sich Instagram mit der Neuerung vielleicht sogar ins eigene Bein? Die Gefahr ist auf jeden Fall, dass Instagram für einen großen Teil der Nutzerschaft uninteressant werden könnte. Die Sucht nach den kleinen Herzen ist groß. Und Süchte kann man nicht einfach abstellen.

  1. Folgen für den Algorithmus

Das Maß an Engagement, das ein Beitrag unter den Nutzern auslöst, ist nicht nur für Marketer von großer Bedeutung, sondern auch für den Instagram-Algorithmus. Denn dieser wertet aus, wie viele Kommentare und Likes der Post erhält. Je höher diese Zahl ist, desto relevanter ist der Beitrag für die Zielgruppe. Wenn der Beitrag genügend Engagement erhält, so besteht die Chance, dass er beispielsweise unter den verlinkten Hashtags in den „beliebtesten Beiträgen“ eine längere Zeit gelistet wird. Dies erhöht die Sichtbarkeit des Posts bei Nutzern, die einem noch nicht folgen. Durch die Erhöhung des Engagements steigt somit gleichzeitig die Reichweite der Beiträge und es werden auf (natürliche) Art und Weise neue Follower gewonnen. Doch wie wird das neue Feature diesen Algorithmus verändern? Garnicht? Ein bisschen? User werden aller Voraussicht nach weniger mit den Beiträgen interagieren, weil sie keine Likes mehr sehen können. Das Interagieren in Form von Likes könnte daher etwas an Bedeutung verlieren, die Bedeutung von Kommentaren könnte hingegen wachsen.

Kommentare – die neue Währung?

In unserem Blogbeitrag “Community Management: So wächst eure Fangemeinde auf Instagram & Co” haben wir untersucht und ausgewertet, wie notwendig Community Management in den sozialen Netzwerken ist. Das Kommentieren ist nur ein Teil davon. Was geschieht allerdings, wenn sich das Feature durchsetzt? Dann könnten Kommentare die neue Hauptwährung auf Instagram werden.

Kommentare zu hinterlassen sind für User aufwändiger, als Posts lediglich zu liken. Sie bestehen nur aus einem Doppelklick auf einem Bild und daher schnell gemacht.

via GIPHY

Kommentare hingegen zeigen wirklich, wie relevant ein Beitrag in den sozialen Netzwerken ist. Schließlich hat sich der Nutzer länger als eine halbe Sekunde mit dem Beitrag befasst und sich entschieden, seine Meinung zu äußern oder zumindest ein Emoji zu hinterlassen. Kommentare sind schon heute heiß umkämpft. Doch auch sie können gekauft werden.

Social Bots kommentieren, liken und folgen automatisch anderen Nutzern auf Instagram nach der Auswahl von bestimmten Hashtags. Bestimmt hast auch du schon mal diese einfallslosen, unpassenden Kommentare wie “Good Content!”, “Great Pic” oder “Mir gefällt ihr Feed. Schauen Sie doch mal auf meinem Profil vorbei.” gelesen. Für erfahrene Instagram-Kenner sofort identifizierbar.

Diese Bots werden nach wie vor ein großes Problem für Instagram darstellen, da der Algorithmus Fake-Profile nur sehr schwer identifizieren kann und es viele Millionen davon gibt. Laut Untersuchungen italienischer Marktforscher ist fast jeder zehnte Account Fake. Instagram geht so gut es geht dagegen vor und löscht immer wieder neue Fake-Accounts.

Dennoch gehört die Kommentar-Funktion die Zukunft. Immer wichtiger wird es, dass (echte) Nutzer auf Beiträge oder Storys reagieren und eine echte Community aufgebaut wird.

Instagram ohne sichtbare Likes?

Influencer werden Möglichkeiten entwickeln, ihre Werte (Follower, Likes) trotzdem miteinander zu vergleichen und publik zu machen. Das wäre jedoch deutlich komplizierter und der Weg zu neuen Kooperationen ist in diesem Szenario steiniger. Andererseits könnte sich das Influencer-Business dadurch etwas regenerieren, da nur noch Creator Kooperationen ergattern, die wirklich Wirkung erzielen.

Langfristig würde jedoch das Verbergen der Likes zu einer Professionalisierung im Instagram und Influencer Marketing führen. Unternehmen und Advertiser würden sich endlich auf die wichtigen Kennzahlen im Online-Marketing konzentrieren müssen.

Nicht zu vergessen diejenigen, auf denen es in erster Linie ankommt: die privaten Nutzer. Sie rücken wieder in den Vordergrund. Anstelle von Likes würde es bei einem Instagram ohne sichtbare Likes wieder mehr um die Qualität der Inhalte gehen.

Fake-Likes und die Bot-Anbieter, die dafür verantwortlich sind, können mit der Neuerung getrost ihren Hut nehmen. Das war’s für sie. Und wahrscheinlich ist ein Instagram ohne sichtbare Likes die einzige Lösung für das Problem mit den Bots.

Ob das Feature tatsächlich weltweit ausgerollt wird, entscheidet sich vor allem durch die Erfahrungswerte in Kanada, Italien und Co.. Wir sind gespannt und halten euch wie immer auf dem Laufenden.

Kommentar(1)

  • Super heiß diskutiertes. Thema :-D .Wir haben erst letztens einen ähhichen Artikel zum Thema "Instagram bald ohne sichtbare Likes" geschrieben. Wir haben festgestellt, das es gar keine schlechte isdee ist die sichtbaren Likes zu Verbergen so wird auf viel hochwertigeren Content geachtet. Man sei gespannt was in den nächsten tagen so passiert. Vielen Dank für das Update.

Wie ist deine Meinung?

Bekannt aus: