Nutzersignale als Rankingfaktor bei Google & Co.

Suchmaschinen haben ein Ziel: Sie wollen ihren Nutzern die besten Suchergebnisse zu ihren Suchanfragen liefern. Denn schließlich ist auch Google „nur“ ein Dienstleister, der die Erwartungen seiner Kunden erfüllen muss, um langfristig erfolgreich zu bleiben. Deshalb arbeitet der Suchmaschinen-Gigant fortwährend an der Verbesserung seines Algorithmus. Stets auf der Suche nach Faktoren, die eine verlässliche Auskunft über die Relevanz von Suchergebnissen geben. Wichtig für Google sind dabei die Signale, die die Nutzer selbst „senden“. Wir verraten euch, wie ihr eure User und damit auch Suchmaschinen glücklich macht.

Großer Einfluss von User Signals auf Google Ranking

Nicht zuletzt dank immer besserer Messverfahren hat sich das Nutzerverhalten in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Informationsquellen für Google gemausert. Das Augenmerk erfolgreicher Suchmaschinenoptimierer bewegt sich weg von Backlinks, hin zu User Signals. Google verlässt sich dabei im Wesentlichen auf vier Signalwerte:

1. Klickrate (Click Through Rate)

Google misst, wie oft ein Suchergebnis angeklickt wird. Die einfache Rechnung: Je mehr Klicks, desto besser spricht ein Suchergebnis die Suchenden an, da es relevanter zu sein scheint. Natürlich haben die Seiten, die weit oben gelistet sind, naturgemäß eine höhere Klickrate, als weniger gut rankende Seiten. Deshalb darf die Click Through Rate auch nicht überbewertet werden. Dennoch kann sie Veränderungen des Rankings herbeiführen, wenn eine weniger gut positionierte Seite mehr Klicks erhält als eine besser positionierte.

2. Verweildauer

Die Verweildauer auf einer Seite gibt Google Aufschluss darüber, wie relevant sie für Suchende ist. Je höher die Verweildauer, desto informativer, unterhaltsamer oder zumindest interessanter scheint eine Seite zu sein. Wenngleich auch diese Daten mit Vorsicht zu genießen sind. In Einzelfällen kann eine hohe Verweildauer auch dafür sprechen, dass eine Seite besonders unübersichtlich ist und die gewünschten Informationen zunächst gesucht werden müssen. Tendenziell kann aber schon davon ausgegangen werden, dass sich die meisten Besucher mit solch chaotischen Seiten erst gar nicht aufhalten.

3. Absprungrate (Bounce Rate) bzw. Return-to-SERP-Rate

Die Absprungrate verrät Google, wie viel Prozent der Besucher, die über eine Suchergebnisseite (Search Engine Result Page, kurz SERP) auf eine Webseite gelangen, diese bereits auf der Einstiegsseite wieder verlassen. Diese Besucher generieren also nur einen Seitenaufruf (Page Impression). Dieses Nutzersignal macht deutlich, wie komplex die Beurteilung des Nutzerverhaltens ist. Denn eine Seite mit hoher Bounce Rate pauschal als nicht relevant einzustufen, wäre zu kurz gedacht.

Wer googelt, ist oft auf der Suche nach einer ganz bestimmten Information. Hat er diese auf der angeklickten Seite gefunden, verlässt er diese zufrieden, ohne dort weiter zu interagieren. Die Bounce Rate kann sich also trotz eines zufriedenen Besuchers erhöhen. Findet er die gewünschte Information nicht, verlässt er die Seite ebenfalls und kehrt zu den Suchergebnissen zurück. Auch hierbei erhöht sich die Bounce Rate.

via GIPHY

Interessanter als die reine Absprungrate ist deshalb die Return-to-SERP-Rate, die misst, wie häufig der Nutzer von einer angeklickten Seite zu den Suchergebnissen zurückkehrt. Ruft der User danach ein weiteres Suchergebnis auf, dann signalisiert dies Google, dass er auf der Seite davor offensichtlich nicht fündig geworden ist.

Aufgrund der geschilderten Analyseproblematik ist es wahrscheinlich, dass Google die Bounce Rate mit einem Zeitbezug verknüpft. In den Wert der Absprungrate fließen dann nur Besucher, die besonders schnell wieder verschwinden, zum Beispiel innerhalb von zehn Sekunden. So fallen Besucher aus dem Raster, die gleich das fanden, was sie gesucht haben und das Internetangebot deshalb wieder auf der Einstiegsseite verlassen haben.

4. Soziale Signale (Social Signals)

Ein recht verlässliches Indiz für Relevanz sind Social Signals. Dazu zählen zum Beispiel Posts auf Facebook, Google+ und Twitter, sowie deren Interaktionen. In den sozialen Netzwerken wird nur gelikt, geteilt und kommentiert, was überzeugen kann. Je öfter sich dort also Links zu einer bestimmten Seite finden, desto hilfreicher, interessanter oder unterhaltsamer muss sie offenbar sein.

Die Nutzungsintensität eigener Social-Media-Profile ist für Google zudem ein Indiz für die Aktualität eines Internetangebots. Google+ nimmt dabei als hauseigenes Netzwerk die Rolle eines besonders zuverlässigen Datenlieferanten ein. Auch wenn es hierzulande im Mainstream nicht besonders beliebt ist, sollte man das Google-Netzwerk deshalb nicht vernachlässigen.

Nutzersignale lassen sich auf vielfache Weise optimieren

Um Google optimale Nutzersignale zu senden, ist echter Mehrwert unerlässlich. Doch um diesen bieten zu können, muss man seine Zielgruppe kennen und ihre Wünsche verstehen. Natürlich lassen sich durch gute Inhalte und ein benutzerfreundliches Internetangebot auch die oben erläuterten User Signals positiv beeinflussen. Diese Art der Suchmaschinenoptimierung ist von Google sogar ausdrücklich erwünscht, verbessert sie doch den Content und die Usability, ohne sich zwielichtiger Methoden zu bedienen.

So lassen sich die Faktoren im Einzelnen konkret optimieren:

1. Klickrate steigern

Einer Seite bleiben in den Suchergebnissen nur wenige Sekunden, um einen Suchenden davon zu überzeugen, sie zu besuchen. Der Seitentitel und die maximal zweizeilige Beschreibung (Meta Description) nehmen den größten Raum ein. Jeder Seitenbetreiber bestimmt sie in der Regel selbst, was einen großen Gestaltungsspielraum einräumt. Weil Titel und Beschreibung die ersten Berührungspunkte mit einer Seite sind, sollten sie mit Bedacht formuliert werden.

Der Titel sollte in wenigen Worten den Inhalt der Seite möglichst prägnant wiedergeben. Deshalb sollte der Name des Internetangebots nicht am Anfang, sondern am Ende stehe. Das Titel-Element sollte nicht länger als 55 Zeichen (ohne Leerzeichen) lang sein, da es sonst abgeschnitten wird.

Die Beschreibung konkretisiert, was den Besucher genau erwartet. Sie ist eine kurze Inhaltswiedergabe bzw. -vorschau. Für eine optimale Formulierung hilft es, sich am AIDA-Prinzip zu orientieren: Attention (Aufmerksamkeit), Interest (Interesse), Desire (Verlangen) und Action (Handlung). Sonderzeichen wie Häkchen und Sternchen können, abhängig von der Branche, die Aufmerksamkeit auf die Beschreibung lenken. Die Beschreibung wird ab 156 Zeichen (inkl. Leerzeichen) abgeschnitten.

2. Verweildauer erhöhen

Wer relevanten Content liefert, muss sich um die Verweildauer eigentlich keine Sorgen machen. Dennoch gibt es natürlich ein paar kleine Stellschrauben, um das Maximum herauszuholen. Grundsätzlich gilt natürlich, dass mehr Inhalt auch mehr Zeit erfordert. Kurzartikel wie in der „Bild“ binden Besucher nicht sonderlich lange. Eine gewisse Artikellänge kann also von Vorteil sein, vorausgesetzt der Text liefert durchgehend verwertbare Informationen und nicht nur heiße Luft. Wer seine Artikel künstlich aufbläst, erntet wahrscheinlich den gegenteiligen Effekt und die User springen ab.

Damit längere Texte Besucher nicht abschrecken und vergraulen, sollten sie durch Absätze und Zwischenüberschriften gut gegliedert und mit Bildern angereichert werden. Fotogalerien, Infografiken, Statistiken, etc. können die Verweildauer zusätzlich erhöhen. Die wichtigsten Infos sollten in einem Artikel übrigens immer oben stehen. So erkennt der Leser gleich, dass es sich lohnt, weiter zu lesen.

via GIPHY

Blogs sollten ihre Leser zu Interaktion auffordern – allen voran natürlich dazu, Kommentare zu hinterlassen. Die Kommentarfreudigkeit lässt sich erhöhen, wenn am Ende eines Artikels aktiv dazu aufgefordert wird. Dabei sollte es sich aber nicht um eine allgemeine Bitte handeln, sondern um eine konkrete Fragestellung, zum Beispiel zu persönlichen Erfahrungen mit einem Thema.

Eine weitere Möglichkeit die Verweildauer zu erhöhen und gleichzeitig die Absprungrate zu senken, ist es, seinen Besuchern Support anzubieten. Das funktioniert vor allem mit Livechats besonders gut. Ein Klick genügt und der Besucher kann mit dem Seitenbetreiber in Kontakt treten. Vor allem Online-Shops profitieren von dem Service, der die Bestellwahrscheinlichkeit steigert. Grundsätzlich sind solche Livechats jedoch für jeden geeignet, der bereit ist, seinen Besuchern Fragen zum Thema des Internetangebots zu beantworten.

Statt einem Livechat kann man auch eine Nachrichtenbox einblenden und die Fragen per E-Mail beantworten. Alternativ kann beispielsweise auch ein Forum, in dem sich Gleichgesinnte zu einem Thema austauschen können, die Verweildauer erhöhen.

3. Absprungrate reduzieren

Die Absprungrate ist immer dann hoch, wenn die Suchenden nicht das finden, was sie eigentlich erwarten. Eine guter Titel und eine gute Beschreibung sind deshalb der erster Schritt für eine geringe Bounce Rate. Danach muss schließlich die Seite selbst überzeugen.

Wie schon erläutert, sind die besonders schnell abspringenden Besucher die problematischsten. Einen solchen Reflex lösen, unabhängig ihres Inhalts, oft Seiten aus, die sich zu langsam aufbauen. Eine hohe Ladezeit ist gleich doppelt bitter: Sie sind selbst ein Negativfaktor für das Google Ranking, hinzu kommt jedoch die erhöhte Bounce Rate, der die Seite zusätzlich herunterzieht. Die Optimierung des Page Speeds ist also aus mehrerlei Hinsicht wichtig.

Von Bedeutung ist auch der erste Eindruck: Wirkt eine Seite auf den Besucher chaotisch, kehrt er schnell wieder zu den Suchergebnissen zurück, ohne sich genauer damit zu beschäftigen. Gleiches gilt für schlechtes Design. Empfehlenswert ist eine klare Linie mit einer guten Struktur, die die Augen des Besuchers lenkt. Die Seitenaufteilung sollte intuitiv sein, so dass er innerhalb von Sekunden weiß, wo etwas zu finden ist. Zur Orientierung trägt auch eine saubere Kategorisierung bei.

Besondere Aufmerksamkeit sollte der Navigation geschenkt werden. Nur wenn diese gut sichtbar und einfach zu bedienen ist, werden die Besucher weitere Seiten des Internetangebots aufrufen. Indem man am Ende eines Artikels interne Links zu weiterführenden Informationen oder ähnlichen Artikeln setzt, verleitet man Besucher ebenfalls weitere Seiten aufzurufen, was die Absprungrate spürbar senkt.

Seiten, die sensible Interaktionen fordern, also solche, die etwas verkaufen wollen oder zur Übermittlung persönlicher Daten aufrufen, müssen besonders sorgfältig konzipiert sein. Der Besucher muss Vertrauen in sie fassen, um eine Aktion auszuführen. Design und Übersichtlichkeit sind hier besonders wichtig. Darüber hinaus sollten die Besucher transparent darüber informiert werden, warum Daten abgefragt und wie sie verarbeitet werden. So senkt man die Skepsis und baut Vertrauen auf.

4. Social-Media-Interaktionen steigern

Um die Sichtbarkeit in sozialen Netzwerken und den Traffic von dort zu steigern, sollte man es seinen Besuchern so einfach wie möglich machen. Befinden sich am Ende eines Artikels Social Buttons, werden Texte deutlich häufiger geteilt. Schließlich reichen dafür wenige Klicks aus. Muss der Besucher eine Empfehlung an seine Freunde und Follower hingegen umständlich auf dem Netzwerk selbst schreiben, muss der Artikel schon von überragender Qualität sein, damit er diese Arbeit auf sich nimmt.

Beliebt sind auch Gewinnspiele, die für eine erfolgreiche Teilnahme voraussetzen, dass man eine Facebookpage liket, einen Beitrag auf Google+ teilt oder einen Tweet mit Link zum Gewinnspiel absetzt. Je kleiner die Hürde, desto attraktiver die Preise und je höher die Gewinnchance, desto mehr Menschen sind dazu bereit.

Analog zur Gewinnspielteilnahme kann man auch für die Freigabe von Inhalten Social-Media-Aktivitäten fordern. Das wird bereits für Zusatzangebote wie kostenlose eBooks gemacht. Gegen einen Tweet „als Bezahlung“ gibt es das eBook gratis. Mit dem WordPress-Plugin Social Locker lassen sich so ganze Seiten hinter eine „Interaktionsschranke“ setzen. Nur wer postet, liket oder teilt kann den gesamten Artikel lesen. Prinzipiell eine tolle Möglichkeit, mehr Interaktion in den sozialen Netzwerken zu erreichen ,aber bei Weitem nicht für jede Branche geeignet. Eine weniger social-media-affine Zielgruppe dürften solche Anforderungen abschrecken, was wiederum negativen Einfluss auf die Absprungrate und die Verweildauer hat.

Fazit: Content und Usability sind das A und O

Zur Verbesserung der Suchergebnisse wird die Analyse von Rankingfaktoren, die auf die Qualität des Inhalts und die Benutzerfreundlichkeit hinweisen, für Google immer wichtiger. Für Seitenbetreiber ist das ein gutes Zeichen. Denn indem sie an Content und Usability arbeiten, stellen sie sowohl ihre Besucher als auch Google zufrieden. Letztlich beweisen die User Signals einmal mehr, dass man Inhalte und Seiten nicht für Suchmaschinen, sondern für seine Zielgruppe schaffen sollte.

via GIPHY

Bei der Beurteilung von Nutzersignalen wie Absprungrate und Verweildauer muss man mit Bedacht vorgehen. Welche Werte gut sind, lässt sich nicht pauschal sagen, sondern hängt maßgeblich auch vom individuellen Internetangebot ab. Dennoch gibt es für jeden die Möglichkeit, die geschilderten Rankingfaktoren positiv zu beeinflussen. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Erst recht, wenn man an diese Aufgabe auch kreativ herangeht.

Wie ist deine Meinung?

vier × drei =

Bekannt aus: