Progressive Web Apps: mobiler Hybrid im App-Gewand

Websites und Apps haben viel gemeinsam und sind dennoch grundverschieden. Beide wollen vor allem eines: den User erreichen und möglichst regelmäßig aufgerufen werden. Beide haben Vor- und Nachteile. Progressive Web Apps (PWA) kombinieren beide Modelle und fokussieren sich auf deren Vorteile. Gerade für Unternehmen, die ihre Kunden auch unterwegs zufriedenstellen wollen, bietet die Progressive Web App eine echte Alternative zu Websiten, die mobil nur bedingt funktionieren und Apps, die erstmal gefunden und downgeloaded werden müssen.

Was sind Progressive Web Apps?

Im Grunde sind es Websiten, die jedoch alle Vorteile einer App bieten. Auch bei schlechter oder sogar fehlender Internetverbindung hat der User Zugriff auf den Content der PWA. Zumindest besteht die Möglichkeit, dem User bestimmten Content auch offline verfügbar zu machen. Ein gutes Beispiel hierfür ist AirBerlin. In der Progressive Web App der Fluggesellschaft kann man auch offline einchecken, was dem User einen klaren Mehrwert verschafft und mit einer „normalen“ Website so nicht möglich ist. Die ist ohne Internetverbindung nicht zu gebrauchen und benötigt bei schlechter mobiler Verbindung zu lange Ladezeiten. Eine PWA ist also schlichtweg schneller.

Auch die App-typischen Push-Benachrichtigungen gehören zum Repertoire einer PWA. Außerdem könnt ihr euch auf dem Homescreen aller Geräte eures Users in Form eines Icons verewigen. Nutzer müssen eure Website also nicht immer wieder über Suchmaschinen finden, denn ihr seid stets präsent. So viel zu den Vorteilen der App.

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Aber auch die gute „alte“ Website hat so ihre Vorteile, die sich die PWA zu Nutze macht. Sie wird nicht im jeweiligen App-Store, sondern über eine Suchmaschine gefunden. Aufgerufen wird sie, wie normale Websites. So spart sich der User gleich mehrere Schritte, die bei einer App notwendig sind, um an euren wertvollen Content zu gelangen. Eine PWA benötigt also keinen Download, keine Installation und keine Updates, die ebenfalls installiert werden müssen.

Alles das gibt es jedoch schon länger. Die sogenannte Web App liefert genau diese Vorteile, allerdings ist sie nichts weiter als eine App im Website-Pelz, die für Smartphone oder Tablet angepasst wurde. Das Wort „progressive“ macht den Unterschied. Die Progressive Web App geht nämlich einen Schritt weiter und passt sich den Funktionen des jeweiligen Gerätes und des Browsers an, um immer die bestmögliche User-Experience zu liefern. Dabei gilt: je leistungsfähiger das aufrufende Gerät, desto leistungsfähiger auch die PWA. Spricht man von Leistungsfähigkeit, sind bei einer Website nicht nur die Funktionen gemeint. Es geht auch um Ladegeschwindigkeit. Dieses Kriterium ist vor allem für mobile User essentiell wichtig. Die von Google eingeführten Accelerated Mobile Pages (AMP) verfolgen das gleiche Ziel: schneller Seitenaufbau für eine kleinere Bounce-Rate. AMP’s und PWA’s – Konkurrenten oder vielleicht sogar Verbündete?

Wie funktioniert eine Progressive Web App?

Das Herzstück einer PWA sind Service Workers. Der Name ist zugegeben nicht ganz glücklich gewählt, denn es handelt sich hierbei nicht um wirkliche Arbeiter, sondern lediglich um Java-Scripte, die im Hintergrund einer Web-Anwendung arbeiten auch, wenn die Website gerade gar nicht geöffnet ist. Sie sorgen dafür, dass die Web App erst progressiv wird, sich also an die jeweiligen Gegebenheiten (Endgerät und Browser) anpasst. Indem verschiedene Progammabläufe mit den Service Workers gestartet werden können, ist man als PWA-Betreiber sehr flexibel in den Funktionen.

Im Idealfall wird der User nicht einmal bemerken, dass er sich in einer PWA, und nicht in einer gewöhnlichen App, bewegt. Möglich macht das ein sogenanntes Web App Manifest. Das JSOn-file erlaubt es der PWA, sich im Full Screen Modus zu zeigen und sich als Icon auf dem Homescreen eines jeden Gerätes zu platzieren. Die perfekte Täuschung also.

So könnte die Effektiv Progressive Web App auf dem Homescreen Eures Desktops, Smartphones oder Tablets aussehen.

So könnte die Effektiv Progressive Web App auf dem Homescreen Eures Desktops, Smartphones oder Tablets aussehen. / Grafik: Philipp Queitsch

Zusammenfassung

Eine Progressive Web App sollte:

  • natürlich progressiv arbeiten, d.h. sich auf jedem Gerät, in jedem Browser entsprechend für den User anpassen
  • auffindbar sein, also durch Suchmaschinen und nicht im App-Store
  • eine URL besitzen, die sich an das jeweilige Land anpasst, wenn sie geteilt wird
  • responsive sein, d.h. auch das Design sollte sich an Desktop, Smartphone oder Tablet anpassen
  • sich für den User wie eine gewöhnliche App anfühlen
  • unabhängig von der Internetverbindung sein (zumindest Teile des Contents sollte auch offline abrufbar sein)
  • Push-Nachrichten anzeigen können
  • installierbar“ sein, womit nicht die klassische Installation gemeint ist. Die Platzierung des Icons auf dem Homescreen zählt.
  • aktuell sein und regelmäßig mit frischen Content gefüttert werden
  • sicher sein, d.h. über https gehosted werden

Fazit

Progressive Web Apps bieten viele Vorteile und könnten zum wichtigen Werkzeug werden, um als Unternehmen künftig besser gefunden und „benutzt“ zu werden. Soweit, so gut. Aber ist diese Web-Anwendung für jeden etwas? Letztlich geht es, wie immer, nur um den User. Deswegen sollte sich jedes Unternehmen ansehen, wer seine User sind. Was wollen die eigentlich von euch? Bietet mein Content, den ich auch offline anbieten kann überhaupt einen echten Mehrwert für den Nutzer? Einige Beispiele, wie Wikipedia (Wiki Offline), Google Chrome (Chrome Status), der Telegram Messenger oder auch der Pokédex für Fans der kleinen japanischen Monster, zeigen bereits sehr gut, was eine PWA kann und wofür sie gut ist. Fest steht: bei der wachsenden Zahl der mobilen Internetnutzungen werden Progressive Web Apps ordentlich mitmischen und eine immer größere Rolle spielen.

 

 

Beitragsfoto: iStock/RamCreativ

Philipp ist Social Media Ninja im E-Team und kümmert sich (fürsorglich) um den Content auf unserem Blog und unsere anderen sozialen Kanälen. Zudem bringt er als passionierter Schlagzeuger einer Countryband nebenbei ein wenig Redneck-Vibes ins Büro – yeeeehaaaaww!

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