Neues Rendering-Tool in den Google-Webmastertools

Google hat dieses neue Feature am 27. Mai 2014 in die Webmaster-Tools eingeführt, ohne dass dies bisher besondere Beachtung gefunden hätte.

Was zunächst ein bisschen aussieht wie ein nettes Spielzeug, lässt nach einiger Überlegung aber höchst interessante Rückschlüsse darauf zu, wie Google Webseiten heutzutage auf eine Art und Weise bewerten könnte, die über das gängige Verständnis der Funktionsweise einer Suchmaschine und der üblicherweise angenommenen Ranking-Kriterien erheblich hinausgeht.

Sehen wir uns das Tool zunächst näher an. Es ist als Ergänzung zum bisherigen Abruf-Testtool unter

Crawling > Abruf wie durch Google

eingebaut. Der Benutzer hat die Wahl, den Quelltext mit Klick auf den linken Button allein abzurufen, oder sich die Seite mit Klick auf den rechten Button (grün umrandet) gleichzeitig als Bild gerendert anzeigen zu lassen:
gwt-rendering

Darüber hinaus lassen sich über ein Dropdown-Menü (grün umrandet) verschiedene User-Agents einstellen, die die Anzeige auf einem Desktop (default), einem Smartphone oder anderen mobilen Geräten simulieren:
gwt-rendering2

Im Erfolgsfall kann die Rückgabe auf “abgeschlossen” oder “teilweise” lauten, was schon auf die wichtigste technische Funktion des Tools hinweist: mit seiner Hilfe des Tools kann überprüft werden, ob Google alle zum Rendering notwendigen Seitenbestandteile erreichen kann, im gezeigten Beispiel auf dem Screenshot oben wird “teilweise” zurückgegeben, weil ausgelagerte JavaScript- und CSS-Dateien per robots.txt- Anweisung gesperrt sind. Hier würde es also Sinn machen, solche Dateien für den Googlebot zugänglich zu machen, damit sich die Suchmaschine im Sinne des Wortes das richtige Bild von der Seite machen kann.

Weit darüber hinaus zeigt das Rendering Tool jedoch, wie gut sich Google inzwischen tatsächlich eine konkrete Vorstellung von Aufbau und Aussehen einer Seite machen kann. Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist auch das ein Grund für die Einführung des neuen Features: Webmaster und Site-Betreiber sollen sich klar darüber werden, dass Google nicht nur Wörter zählen und Keyword-Dichten berechnen, sondern sie auch in einen räumlich-optischen Kontext setzen kann – und damit immer näher an ein automatisiertes Nachempfinden der tatsächlichen User-Experience herankommt. Google weist damit unausgesprochen darauf hin, wie sehr Keyword-Prominence, korrekte Positionierung wichtiger Seitenelemente, richtiger Seitenaufbau und Usability allgemein inzwischen bedeutende Rankingfaktoren sind. Viele Webmaster haben das, oft ohne es zu verstehen, im Zuge diverser Panda-Updates der letzten zwei Jahre zu spüren bekommen.

So ist es ein Leichtes für Google, so genannte “SEO”-Texte als das zu erkennen, was sie sind: “made for searchengines not users” – und damit weitgehend wertlos. Google kennt die Position solcher Texte innerhalb des Seitenaufbaus, die meistens dort stehen, wo so wenige der Besucher wie möglich sie überhaupt sehen. Google erkennt die meist sehr kleine Schriftgröße und den oft schlechten Kontrast, die den Text so weit wie wie es geht unauffällig machen sollen. Ein typisches Beispiel (rot umrandet) ist auf dem folgenden Screenshot zu sehen, der direkt eine Ausgabe des Rendering-Tools zeigt:

beispiel-rendern

Ein weiteres Beispiel für ungünstigen Seitenaufbau, den Google ohne Weiteres richtig erkennt und mit Abstrichen im Ranking beantwortet, sind so genannte “top heavy designs”, bei denen die eigentlich relevanten Informationen oder zur Orientierung auf der Site wichtige Elemente zugunsten grossflächiger, hübscher aber überflüssiger und nicht webangepasster grafischer Elemente aus der Hochglanz-Katalogwelt unterhalb der Bildschirmunterkante zu liegen kommen (“below the fold”) und vom User erst mühsam „erscrollt“ werden müssen. Im untenstehenden Beispiel wird dieser schlechte Aufbau typischerweise noch dadurch verschärft, dass weiterer wichtiger Platz auf der Seite an waag- und senkrechte Werbeflächen verschwendet wird.

beispiel-below-the-fold

Das Rendering-Tool jedenfalls kann bei der Entwicklung der Suchmaschinenoptimierung weg von der rein technischen Optimierung hin zur Optimierung der Seiten für den Nutzer nur förderlich sein.

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