In „Vero“ we trust!? – Hype-App fordert Facebook, Instagram & Co heraus

Über eine halbe Millionen Downloads innerhalb von 24 Stunden! Bei der App Vero kann von einem echten Hype gesprochen werden. Vor allem auf Instagram wandern derzeit vornehmlich Influencer und Künstler zum werbefreien Netzwerk über. Was die App besser machen will, als die etablierten Social Media Riesen und welche Chancen sich für Unternehmen ergeben, erklären wir in diesem Beitrag.

„True Social“ – so lautet der griffige Slogan von Vero. Die Erfinder haben die Gebete der User auf den verschiedenen Plattformen erhört und bieten eine werbefreie Umgebung ohne Algorithmus, der bestimmt, was der User sieht oder eben nicht sieht. Spätestens seit auch Instagram einen Algorithmus eingeführt hat, werden die kritischen Stimmen diesbezüglich immer lauter. Klingt ganz so, als wäre der Zeitpunkt für ein neues soziales Netzwerk nie günstiger gewesen. Doch warum soll dieses neue Netzwerk ausgerechnet Vero heißen?

Was Vero kann

Auf den ersten Blick wirkt Vero wie eine minimalistische und besonders stylische Version von Instagram, aber es kann noch mehr. Gepostet werden können neben Bildern und Videos nämlich auch Film-, Buch- oder Musikempfehlungen und Links. Wird zum Beispiel ein Film gepostet, können sich Follower direkt einen Trailer zum Film anschauen und erfahren, worum es geht und wer in dem Film mitspielt.

Nutzer sind also sehr flexibel im Posting und müssen sich nicht immer um eigenen Content kümmern. Wollt ihr doch mal ein eigenes Fotos posten, stehen euch, wie bei Instagram, diverse Filter und Bearbeitungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Außerdem könnt ihr entscheiden, welcher eurer Follower, was sieht, denn ihr könnt eure Follower in drei Kategorien einordnen (Bekannte, Freunde & enge Freunde). „Außen Instagram, innen Facebook“, denkt ihr nun vielleicht, aber Vero bedient sich auch noch bei Funktionen anderer Plattformen, wie zum Beispiel Pinterest. Alle Beiträge, die ihr liked, landen nämlich in eurer persönlichen Sammlung, die ähnlich, wie die Boards bei Pinterest, funktionieren.

Vero

Bei jedem neuen Follower könnt ihr entscheiden, welchen Status er erhält und wie viel von euren Posts er sehen kann. / Screenshot Vero

Ein wichtiger Punkt: In-App Käufe. Diese macht Vero nämlich möglich. Unternehmen können mit der Plattform kooperieren und ihre Produkte einpflegen. User können wiederum direkt über die App einkaufen.

So ist Vero ein Mix aus den großen Plattformen, die den Markt bestimmen – mit einem Unterschied: das Netzwerk verzichtet auf Werbung und einen Algorithmus.

„Wir kuratieren nicht, wir manipulieren nicht, wir fügen keine Werbung ein“

So heißt es im Manifest von Vero. Damit funktioniert die App quasi wie das Internet, nur dass dieses von „Freunden“ bzw. Followern betrieben wird.

Warum Vero gerade einen Hype erlebt

Das ist tatsächlich nicht ganz erklärbar, denn der Hype begann vor wenigen Tagen aus heiterem Himmel, dabei existiert die App bereits seit 2015. Seitdem drohte sie in den App-Stores zu versinken und in Vergessenheit zu geraten. Dass die App, wie aus dem Nichts, wieder Fahrt aufnimmt zeigt, dass viele Nutzer es leid sind, sich von den Algorithmen auf Facebook oder Instagram die Inhalte anzeigen zu lassen, die sie angeblich am meisten interessiert oder für die Werbetreibende gezahlt haben.

Der soziale Part von Social Media ging in den vergangenen Jahren verloren, in denen sich die großen Netzwerken zu immer effektiveren Werbekanälen entwickelten. Viele User sind nicht erst seit gestern unzufrieden und daher offen für Alternativen.

9GAG, Instagram

Dieser Post von 9GAG beschreibt den Unmut vieler Instagramer sehr gut. / Quelle: 9GAG

Dennoch scheint der Hype um die nicht ganz neue App ein wenig zu plötzlich einzusetzen. Böse Zungen behaupten, dass es sich hier um eine verdeckte Influencer-Kampagne handelt, denn schließlich sind sie es, die momentan ihre Follower zu Vero rüber holen.

Ob geplant oder der allgemeinen Unzufriedenheit vieler User geschuldet: der Schneeball-Effekt ist längst im Gange, denn immer mehr Leute erfahren von Vero und sehen, wie ihre Freunde oder Lieblings-Influencer überwandern und folgen diesen neugierig. Bleibt eigentlich nur noch die Frage, was dabei für Vero herausspringt.

Wie Vero Geld verdienen will

Vero lässt die ersten 1 Millionen Nutzer kostenlos beitreten und setzt danach auf Abos, die vom Nutzer bezahlt werden. „Wir machen unsere User zu Kunden und nicht zu Produkten von Werbetreibenden“, heißt es sinngemäß im eigens verfassten Manifest.

Des Weiteren kooperiert Vero mit verschiedenen Medienunternehmen und kassiert mit, wenn über die App Einkäufe getätigt werden. Empfiehlt ein User zum Beispiel ein bestimmtes Album und einer seiner Follower kauft sich dieses dann über Vero bei iTunes, dann verdient das Netzwerk mit.

Wie können Unternehmen auf Vero mitspielen?

Unternehmen können also mit dem Netzwerk kooperieren und sogar Produkte verkaufen. Fragt sich nur, was passiert, wenn ein bestimmtes Produkt von mehreren Kooperationspartnern angeboten wird. Anders als bei den gängigen sozialen Netzwerken, geht es dann darum, wer eine größere organische Reichweite erzielen kann.

VERO, In-App Einkauf

Mittels Call-to-action Button können User Produkte direkt über die App kaufen. / Screenshot: Vero

Damit es aber überhaupt zu einem Kauf kommen kann, müssen sich Unternehmen anmelden und mit der App kooperieren. Dann können Produkte eingestellt und zum Kauf angeboten werden. Um Reichweite zu erlangen, müssen die Produkte von Nutzern geliket und damit empfohlen werden. Das schreit geradezu nach Influencern, für die Vero dank eigener Reichweite und der Verzicht auf Werbung und Algorithmus wie das Paradies erscheint.

Die Plattform lebt von persönlichen Kontakten und Empfehlungen unter den Nutzern. Also haben Influencer gute Chancen und versuchen gerade ihre Follower von anderen Plattformen wie Instagram in das neue Netzwerk zu ziehen. Das der Feed chronologisch von den Freunden – und nicht von einem Algorithmus – gefüllt wird, können Influencer theoretisch jeden einzelnen ihrer Fans erreichen. In Zeiten sinkender organischer Reichweite klingt das wie der feuchte Social Media Traum eines jeden Influencers.

Fazit

Während alle anderen Big Player in Social Media hauptsächlich mit Werbung Geld verdienen, verzichtet Vero darauf, und das soll auch immer so bleiben. Schauen wir uns die Entwicklung der sozialen Netzwerke wie Facebook, Instagram, Twitter oder auch Snapchat an, dann fällt auf, dass sich allesamt vor allem im Bereich Werbung und Marketing weiterentwickelt haben. Der soziale Part blieb weitestgehend auf der Strecke, was viele Nutzer mittlerweile nervt.

Vero möchte weniger Social Media, dafür mehr Social Life bieten. Der Zeitpunkt für so eine Kampfansage ist also günstig, was die Chancen auf Erfolg steigert. Es wird sich herausstellen, ob die User für den Luxus der „öffentlichen Privatsphäre“ auch bereit sind zu zahlen. Bislang bekommt das Netzwerk zwar viel Zulauf, aber keiner der Überläufer verlässt dafür endgültig Instagram oder auch Facebook. Die User sind noch vorsichtig.

So könnten die nächsten Schritte der Erfinder entweder zum Gamechanger oder zum Genickbruch werden. Die App befindet sich derzeit noch in der Beta-Phase und weist durch den Ansturm der letzten Tage teilweise noch erhebliche Mängel bei der Funktion auf. Diese sollten schnellstmöglich behoben werden, damit der Ansturm anhält und neue User nicht gleich verprellt werden. Ob sich Vero durchsetzt, lässt sich natürlich genauso wenig wie der plötzliche Hype vorhersagen. Gerade als Plattform für Influencer hat die App jedoch Potenzial, da so eben auch Unternehmen – zumindest indirekt – mitspielen dürfen. Andererseits legen auch die Social Media Riesen wie Facebook 2018 wieder mehr Wert auf die persönliche Beziehungen und passen ihre Algorithmen entsprechend an.

Im E-Team sitzen schon ein paar Mitglieder des Netzwerks, die fleißig ausprobieren und die weiteren Entwicklung im Auge haben. Hier erfahrt ihr, wie es mit Vero weitergeht. Das gilt natürlich auch für alle anderen sozialen Netzwerke. Wenn ihr hierbei Unterstützung braucht, dann meldet euch beim E-Team.

Philipp ist Social Media Ninja im E-Team und kümmert sich (fürsorglich) um den Content auf unserem Blog und unsere anderen sozialen Kanälen. Zudem bringt er als passionierter Schlagzeuger einer Countryband nebenbei ein wenig Redneck-Vibes ins Büro – yeeeehaaaaww!

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