Voice Search: Wie die Sprachsteuerung SEO verändert

Spätestens seit Siri im iPhone wohnt und auf Sprachbefehle ihres Besitzers wartet, ist die Sprachsteuerung im Mainstream angekommen. Heute gibt es kein Smartphone oder Tablet mehr, das gesprochene Anweisungen nicht befolgt. Statt sich dabei penibel genau an steife Befehlsformulierungen wie bei riesigen Computern in 80er-Filmen halten zu müssen, ist die Spracherkennung so weit vorangeschritten, dass wir mit den Geräten reden, als wären es Menschen in unserer Umgebung. Die neue Art der Nutzung von Google & Co hat natürlich auch Auswirkungen auf die Suchmaschinen-Optimierung (SEO).

Sprachsuchen sind komfortabler und schneller als das Tippen. Das gilt vor allem für die mobilen Endgeräte mit ihren kleinen Tastaturen. Insbesondere junge Menschen gehen viel ungezwungener mit der Sprachsteuerung um und nutzen diese intensiv. Unabhängig vom Alter finden viele Nutzer schnell gefallen an ihr, wenn sie sich erst einmal dazu überwunden haben, die Sprachsteuerung auszuprobieren. Dabei überzeugen Ergebnisse und beweisen, dass die Sprachsteuerung die Kinderschuhe längst abgelegt hat.

Voice Searches haben sich 2015 verdoppelt

Auch Google und andere Suchmaschinen setzen auf das gesprochene Wort, nicht nur beim Handy. Ende 2013 hat Google in seinem Browser Chrome die Sprachbedienung eingeführt. Beginnend mit „OK Google, …“ kann man eine Suchanfrage starten, eine Route planen lassen und noch vieles mehr. Die Anzahl der diktierten Suchanfragen hat sich laut Google-Mitarbeiter Gary Illyes im vergangenen Jahr verdoppelt. Und schon in den Jahren zuvor hat die Sprachsteuerung beim Marktführer deutlich zugenommen.

Auch wenn keine konkreten Zahlen veröffentlicht wurden, macht die Verdopplung der Voice Searches deutlich, wie wichtig die neue Nutzungsweise von Google für die Suchmaschinen-Optimierung (SEO) ist. Denn mit der Sprachsteuerung verlagert sich der Fokus von einzelnen kurzen Schlüsselwörtern hin zu Long-Tail-Keywords. Der Grund ist ein deutlich verändertes Kommunikationsverhalten.

Während man sich beim Tippen in das Suchfeld angewöhnt hat, die Suchmaschine mit einzelnen Keywords zu füttern, wird bei Sprachbefehlen ein semantisch natürlicher Monolog geführt. Wir behandeln Google wie einen Assistenten, mit dem wir ja ebenfalls in ganzen Sätzen reden würden. Aus „Italiener Wiesbaden günstig“ wird also „Wo finde ich in Wiesbaden einen günstigen Italiener?„.

W-Fragen statt Keywords

Dieses Beispiel veranschaulicht sehr deutlich, dass bei der Audiosuche eben nicht einzelne Schlüsselwörter, sondern ausformulierte Fragestellungen im Mittelpunkt stehen. Die W-Fragen (Wann?, Was?, Wer?, Wie?, Wo?, Warum?, etc.) werden vom Nutzer ganz selbstverständlich gestellt. Die Spracherkennung hat deshalb nicht nur die komplexe Aufgabe anhand von Lauten und Worten ihren Sinn zu verstehen, sondern auch Beziehungen und Zusammenhänge zu entschlüsseln. Eine Herausforderung, nicht nur für Google, sondern auch für Amazons Alexa, Apples Siri, Windows‘ Cortana und alle anderen Spracherkennungsdienste.

Wenn wir von Voice Search reden, meinen wir damit keinen kurzen Hype, sondern eine dauerhafte Veränderung der Suchgewohnheiten. Natürlich wird das Mikrofon die Tastatur nicht ersetzen, aber künftig wird das gesprochene Wort einen so großen Teil der Suchanfragen steuern, dass Nutzer und Anbieter es nicht mehr ignorieren können. Mit folgenden Tipps bereitest Du dich auf den Wandel vor:

1. Inhalte schaffen, die Fragen beantworten

War man in der Vergangenheit darum bemüht, dass Texte qualitative Keywords in der richtigen Quantität enthalten, muss man mit seinen Texten nun Antworten auf die Fragen der Suchmaschinennutzer liefern. Schon bei der Wahl eines Themas sollte man sich deshalb überlegen, welche Fragen die Zielgruppe dazu haben wird und diese in einem Artikel gezielt beantworten (How-to-do-Artikel).

Gut sind Antworten auf Fragen der Besucher dann, wenn sie klar und präzise erfolgen, also auf den Punkt gebracht werden. Das spricht nicht nur den Leser an, sondern ist auch förderlich, damit Google den Text als geeignete Antwort identifizieren kann und mit einer guten Position in den Suchergebnissen belohnt. Um das noch zu verstärken, sollte der Schreibstil verständlich und nicht von zu vielen Fremdwörtern und bürokratischen Formulierungen geprägt sein. Auch die Grammatik und Rechtschreibung ist in dieser Hinsicht ein Qualitätskriterium für Google, aber auch für den Leser.

2. Frage schon in Überschrift, Meta-Daten und URL berücksichtigen

Das volle Potential von Voice Searches nutzt Du aus, indem Du mögliche Fragestellungen schon in der Überschrift aufgreifst. Natürlich sollte nun nicht jeder Deiner Texte mit einer Frage bzw. Antwort beginnen, aber hin und wieder solche Überschriften zu wählen ist empfehlenswert, vorausgesetzt sie sind sinnvoll, das heißt die gestellte Frage wird im Text auch beantwortet. Bekanntermaßen wird der Überschrift beim Ranking besondere Bedeutung geschenkt. Gleiches gilt für die Meta-Daten, insbesondere den Titel und die Beschreibung. Auch eine klare URL-Struktur sowie sinnvoll benannte Seiten sind hilfreich.

3. Nutzerfragen herausfinden

Um die konkreten Fragen seiner Zielgruppe herauszufinden, solltest Du sie direkt befragen. Das ist zum Beispiel mit Support-Tools möglich, über die Besucher Fragen zum Thema des Internetangebots stellen können. Alternativ kannst Du natürlich ganz einfach dazu aufrufen, Dir Fragen per E-Mail oder auf Social-Media-Kanälen zu stellen. Du wirst überrascht sein, wie viele Fragen zusammenkommen, auf die man selbst niemals gekommen wäre. Denn für einen Experten sind viele Dinge selbstverständlich und deshalb nicht erwähnenswert. Doch es geht um die Besucher der Website, von denen jeder einen individuellen Wissensstand zum Thema besitzt. Für Besucher, die keine Experten sind, sich aber zu einem Thema informieren wollen, sind solche Informationen essenziell.

4. FAQ-Seite erstellen

Weißt du, was deine Zielgruppe bewegt, geht es an die Beantwortung. Grundlegende und immer wiederkehrende Fragestellungen können auf einer altbewährten FAQ-Seite(Frequently Asked Questions) beantwortet werden. Dort werden die wichtigsten Fragen kurz und knapp sowie leicht verständlich nacheinander samt Antwort aufgelistet. Das ist übersichtlich, einfach erweiterbar und ein gefundenes Fressen für Google. Und auch bei vielen Besuchern erfreuen sich FAQs nach wie vor großer Beliebtheit – davon abgesehen, dass man sich so die Beantwortung der immergleichen Fragen sparen kann.

5. Auf den Long-Tail setzen

Weil dem Sprachassistenten halt nur selten einzelne Schlüsselwörter entgegen geworfen werden, wird der Long-Tail in Zukunft noch wichtiger. Aber bereits jetzt entfallen 70 Prozent der Suchanfragen auf ihn. Long-Tail-Keywords sind Wortkombinationen oder kurze Sätze, meist aus zwei bis fünf Begriffen zusammengesetzt („Fenster streifenfrei putzen“). Die satzbasierte Sprachsteuerung von Suchmaschinen erhöht das Potential von Long-Tail-Keywords enorm. Sie sind weit weniger umkämpft als einzelne Schlüsselwörter, da die Zahl der verschiedenen Keyword-Kombinationen um einiges größer ist.

6. Sich als Experte etablieren

Die Fragen seiner Zielgruppe kann nur beantworten, wer qualitativ hochwertige Inhalte bietet. Folglich wird es mit zunehmender Sprachsuche noch wichtiger diese Grundregel konsequent zu befolgen. Das bietet zudem die Gelegenheit sich als Experte für seine Nische zu etablieren. Denn um in der Masse des World Wide Webs guten Content ausfindig zu machen, analysiert Google verschiedene Kriterien.

Als Experte kannst Du dir eine Stammkundschaft aufbauen, die Deine Website immer wieder besucht. Das wiederum wirkt sich positiv auf Nutzersignale wie Klickrate (CTR), Verweildauer und Absprungrate aus, die das Ranking bei Google maßgeblich mit beeinflussen.

Fazit

Voice Searches sind kein kurzweiliger Trend, sondern eine logische Konsequenz der intensiven Nutzung mobiler Endgeräte wie Smartphones und Tablets. Technische Neuerungen wie Amazon Echo, ein ausschließlich mittels Sprache gesteuerter Lautsprecher, der Anweisungen und Fragen seines Besitzers befolgt bzw. beantwortet, lassen erahnen, wie wichtig Sprachsteuerung in Zukunft wird. Und Dienste wie Google Direct Answers machen deutlich, wie bedeutend es ist, sich schon jetzt darauf vorzubereiten.

Mit zunehmender Sprachsteuerung verändert sich auch die Suchmaschinen-Optimierung. Satzbasierte Suchen, insbesondere in Frageform, erfordern eine andere Optimierung des Contents. Mit Voice Search geht SEO wieder einen großen Schritt weg von der Optimierung für Maschinen, hin zur Optimierung für den Menschen. Wer die Fragen seiner Zielgruppe kennt und ihr Antworten und Lösungen mit Mehrwert anbietet, ist für die wachsende Popularität gesprochener Suchanfragen gut vorbereitet.

Wie ist deine Meinung?

acht + zwei =

Bekannt aus: